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Erinnern heißt kämpfen!

Die Menschen, an die dieser Blog erinnert, sind der faschistischen Ideologie zum Opfer gefallen. Sie wurden aus rassistischen, sexistischen, antisemitischen, homofeindlichen, transfeindlichen, ableistischen, antiziganistischen/gadjé-rassistischen oder sozialdarwinistischen Motiven, als politische Gegner*innen oder aus faschistischer Gewaltaffinität ermordet.
Diese Motive wurden in vielen Fällen nicht juristisch anerkannt. Damit tragen die verantwortlichen Polizist*innen, Staatsanwält*innen, Bundesanwält*innen und Richter*innen dazu bei, faschistische Gewalt zu verschleiern und zu verharmlosen. Gerechtigkeit für die Hinterbliebenen, eine angemessene Aufarbeitung der Taten, ein würdiges öffentliches Gedenken und das Angreifen diskriminierender Strukturen werden dadurch wesentlich erschwert oder unmöglich gemacht.

Dieser Blog soll einen Beitrag zur Erinnerung leisten und Solidarität mit den Betroffenen und Hinterbliebenen zeigen.

Hier werden Graffiti dokumentiert. Sie tragen die Namen der seit 1990 in Deutschland von Faschist*innen ermordeten Menschen in den öffentlichen Raum. Sie erinnern und mahnen und erschaffen teilweise (neue) Gedenkorte.

Lasst uns gemeinsam an alle erinnern und ihre Namen auf die Straßen bringen. Kein Vergeben! Kein Vergessen! Say their names! Write their names!

Informationen zum Mitmachen, Bilder Einsenden und Kontakt aufnehmen, findet ihr auf den letzten Seiten des Blogs.

Triggerwarnung: Es werden Einträge aus der Chronik der Amadeu-Antonio-Stiftung verlinkt. Diese enthalten oft explizite Gewaltdarstellung und diskriminierende Sprache.

2022

Ein herzliches Dankeschön an alle Initiativen, die Erinnerungsarbeit und politische Bildungsarbeit leisten. An alle aktiven Antifaschist*innen und an alle, die im Jahr 2022 an dem Projekt write their names mitgewirkt haben. Danke für die vielen tollen Bilder. Danke an alle Writer*, auch an die, deren Graffiti nicht den Blog erreicht haben – die aber genauso für Sichtbarkeit sorgen. Und an alle, die abseits von Graffiti und Fotos in verschiedenen Bereichen unterstützen und dieses Projekt damit ermöglichen.

Der Blog dokumentiert aktive Erinnerungsarbeit, die mittels Graffiti den öffentlichen Raum als politische Projektionsfläche nutzt. Jeder geschriebene Name ist auch eine Aufforderung zur Auseinandersetzung mit rechten Morden, deren zu Grunde liegenden Strukturen, den Biografien der Opfer, den Perspektiven der Betroffenen und Hinterbliebenen.

2022 wurden 82 Fotos an den Blog gesendet. Sie zeigen Graffiti, die an 71 Menschen erinnern. Insgesamt konnten bis heute 87 Namen dokumentiert werden. Und abseits des Projekts sind es sehr viel mehr Namen, die jedes Jahr geschrieben werden, um zu Erinnern. Hinter jedem Namen ein Mensch.

Sie heißen:
Alexander Selchow
Andreas F.
Ingo Ludwig
Lothar Fischer
Oury Jalloh
Monica Maiamba Bunga
Christine Makodila
Nsuzana Bunga
Christelle Makodila Nsimba
Sylvio Bruno Comlan Amoussou
Rabia El Omari
Françoise Makodila Landu
Jean-Daniel Makodila Kosi
Legrand Makodila Mbongo
Miya Makodila
Oleg Valger
Jim Reeves
Horst Pulter
Mario K.
Farid Guendoul alias Omar Ben Noui
Gökhan Gültekin
Sedat Gürbüz
Said Nesar Hashemi
Mercedes Kierpacz
Hamza Kurtović
Vili Viorel Păun
Fatih Saraçoğlu
Ferhat Unvar
Kaloyan Velkov
Mehmet Turgut
Ruth K.
Mahmud Azhar
Dano
Jana G.
Fred Blank
Duy-Doan Pham
Willi Worg
Friedrich Maßling
Erich Bosse
Mehmet Kubaşık
Burak Bektaş
Halit Yozgat
Christopher W.
Philipp W.
Günter T.
Horst Gens
Nguyễn Văn Tú
Michèle Kiesewetter
Peter Siebert
Bernd Grigol
Klaus R.
Gürsün İnce
Hülya Genç
Gülüstan Öztürk
Hatice Genç
Saime Genç
Peter T.
İsmail Yaşar
Abdurrahim Özüdoğru
Theodoros Boulgarides
Agostinho Comboio
Angela S.
Dario S.
Süleyman Taşköprü
Sadri Berisha
M. S.
Jan Wnenczak
Ahmet Sarlak
Habil Kılıç
Jenisa
Enver Şimşek
Mathias Scheydt
Atilla Özer
Patrick Thürmer
Thomas K.
Jana L.
Kevin S.
Achmed Bachir
Kamal Kilade
Piotr Kania
Mete Ekşi
Bakary Singateh alias Kolong Jamba
Viktor Filimonov
Waldemar Ickert
Aleksander Schleicher
Şahin Çalışır
Nihad Yusufoğlu
Nuno Lourenço
Jörg Danek

Nichts und Niemand ist vergessen.

Verfassungsschutz auflösen

Wenn der Verfassungsschutz es gewollt hätte, würden Enver Şimşek, Abdurrahim Özüdoğru, Süleyman Taşköprü, Habil Kılıç, Mehmet Turgut, İsmail Yaşar, Theodoros Boulgarides, Mehmet Kubaşık, Halit Yozgat, Michèle Kiesewetter, Atilla Özer und viele weitere heute noch leben. Der Verfassungsschutz wurde und wird seiner Aufgabe nicht gerecht. Statt Opfer und Betroffene rechter Gewalt zu schützen, verharmlost, unterstützt und finanziert er Neonazinetzwerke und rechtsterroristische Vereinigungen und ist in deren Machenschaften involviert. Um das zu verschleiern, vernichteten Mitarbeiter*innen des Verfassungsschutzes in großem Umfang Akten, nachdem der NSU sich am 04. November 2011 selbst enttarnt hatte. 2012 prüfte der Hessische Verfassungsschutz die nicht vernichteten Akten in Hessen auf mögliche Zusammenhänge zum NSU. Der Bericht dazu wurde 2014 fertig gestellt und als geheim eingestuft. Er sollte der Öffentlichkeit zunächst für 120 Jahre vorenthalten bleiben. Nach dem Mord an Walter Lübcke wurde die Geheimhaltungsfrist auf 30 Jahre reduziert. Nun veröffentlichten “FragDenStaat” und “ZDF Magazin Royale” den Bericht unter: https://nsuakten.gratis/.

Empfehlenswert ist die ausführliche Analyse des Berichts von EXIF.

Informationen zu dem NSU-Komplex, den Opfern und Betroffenen, den rassistischen Ermittlungen und deren Auswirkungen auf die Betroffenen, dem Gerichtsprozess sowie der mangelnden Aufklärung und Vertuschung durch staatliche Institutionen im Fall des NSU, aber auch bei anderen rechten Terrorgruppen, findet ihr auf https://www.nsu-tribunal.de/ und https://www.nsu-watch.info/.
Informationen, künstlerische Aufarbeitung und Bildungsmaterial für die Auseinandersetzung mit den Geschichten der Opfer und den Perspektiven der Betroffenen findet ihr auf https://www.offener-prozess.net/.